Heirate und habe viele Kinder

Ich muss zugeben, dass ich beim Thema Heiraten womöglich nicht ganz objektiv bin. Für mich ist die Ehe nicht nur ein grundlegender Baustein der Gesellschaft, sondern eine der schönsten Erfahrungen meines Lebens. Es versteht sich von selbst (und doch hört man es heutzutage immer seltener): ohne Familien – insbesondere Familien mit vielen Kindern – fällt unsere Gesellschaft in sich zusammen.
Schließlich lernen Kinder alles, was sie brauchen, um eines Tages zu einer besseren Gesellschaft beizutragen, wenn sie mit den Geschwistern um den Esstisch versammelt sind. Sie lernen von den Größeren, sie lernen, manchmal zu verzichten und den Anderen Raum zu geben. Es ist gut für Kinder, ihre Eltern zusammen zu erleben, täglich die Liebe und den gegenseitigen Respekt zwischen ihnen zu sehen. Das gibt die Sicherheit, die sie brauchen, eines Tages in die Welt hinauszugehen. Egal was passiert, die Eltern und Geschwister werden immer für einen da sein.
Vielleicht trägt die Tatsache, dass ich selbst seit Jahrzehnten glücklich verheiratet bin und sechs wunderbare Kinder habe, dazu bei, dass das alles so rosig klingt. Ich weiß, dass so eine Erfahrung von Ehe und Familie in unserer heutigen Zeit nicht mehr selbstverständlich ist. Scheidungen sind weit verbreitet und viele Familien sind sehr klein. Teile unserer westlichen Gesellschaft versuchen sogar, die Ehe als etwas zu definieren, das nicht mehr nur zwischen Mann und Frau ist. Und das ist total absurd.
Liebe, Gebet und ein ähnlicher Hintergrund
Auch gibt es (zumindest in Europa) wenige Beispiele von Personen des öffentlichen Lebens, die glücklich verheiratet sind und viele Kinder haben. Also stelle ich mir die Frage: Warum hat das mit der Ehe für meine Frau und mich so gut geklappt? Abgesehen von Liebe und Gebet scheint ein wichtiges Element ein ähnlicher Hintergrund zu sein. Wir sind beide in Umfeldern aufgewachsen, in der Ehe und Familie als etwas sehr Positives angesehen wurden, ja sogar als etwas Heiliges, das von Gott eingesetzt wurde.
Für die Habsburger hatte die Familie stets einen hohen Wert, es ist also nicht überraschend, dass ich weltweit ungefähr 300 Cousins und Cousinen habe. Viele von uns sind verheiratet und haben Kinder – obwohl es auch drei Priester gibt, die die Liebe auf andere Weise leben. Auch wenn wir heutzutage vielleicht nicht mehr aus exakt denselben Gründen heiraten wie unsere Vorfahren, ist unser Verständnis von Ehe dasselbe.
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Eines der bekanntesten Sprichwörter im Zusammenhang mit den Habsburgern (vielleicht sogar das bekannteste) ist Bella gerant alii, tu felix Austria nube (Andere mögen Kriege führen, du, glückliches Österreich, heirate). Dieser Satz, der dem brillanten ungarischen König Matthias Corvinus aus dem 15. Jahrhundert zugeschrieben wird, fasst beinahe die gesamte Geschichte der Habsburger zusammen. Das Konzept der Ehe war schon seit jeher in die Denkweise, die Lebensform und die Politik der Habsburger integriert.
Friedliche Heiratspolitik effektiver als Kriegsführung
Vom Augenblick, in dem sie den Thron des Heiligen Römischen Reiches bestiegen, mussten sie sich stets damit beschäftigen, wie sie am besten Frieden zwischen verschiedenen Nationen stiften konnten. Da meine Vorfahren praktisch nie über die finanziellen Mittel verfügten, die für eine Armee notwendig waren (das ist auch der Grund, dass sie sich selbst nie als reich sahen), mussten sie einen anderen Weg finden, ihre Macht zu festigen: Heiratspolitik.
Diese Form der Politik war nicht nur im Einklang mit ihrem katholischen Glauben, sie war eine friedliche Lösung und im Großen und Ganzen effektiver als Kriegsführung. Ehen zwischen den führenden Familien verschiedener Länder führten nämlich tendenziell zu engeren Verbindungen als bloße politische Abkommen. Schließlich tendierten kinderreiche Ehen dazu, politische Kontinuität zu gewährleisten, was ebenfalls Konflikte reduzierte. Tatsächlich beteten kaiserliche Ehepartner oft, dass sie einen „Erben und einen Ersatzerben“ bekommen würden („an heir and a spare“, sagt man auf Neudeutsch), obwohl wir auch noch Beispiele sehen werden, in denen das beinahe nicht geglückt ist.
Die Zeiten der Heiratspolitik sind vorbei, und ich würde nicht sagen, dass ich ihnen hinterhertrauere (obwohl ich oft den Witz mache, dass wir für jedes unserer Kinder schon seit der Geburt eine Ehe arrangiert haben). Trotzdem bin ich der Meinung, dass wir von meinen Vorfahren so einiges über glückliche Ehen und Familien lernen können, sogar im 21. Jahrhundert.

Eduard Habsburg-Lothringen, „Sprechen Sie Habsburgisch? Eine Orientierung in unsicheren Zeiten“, Renovamen-Verlag, Bad Schmiedeberg 2024, Klappenbroschur, fadengeheftet, rund 120 Seiten, 18 Euro
Erscheint am 30. November 2024
Bei dem obenstehenden Vorabdruck handelt es sich – mit freundlicher Genehmigung von Autor und Verlag – um einen Auszug aus dem Buch.
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Kommentare
"Für die Habsburger hatte die Familie stets einen hohen Wert". Dieser Satz stellt für mich eine Unverschämtheit (ohne jede Scham) dar. Welche Familien meinen Sie: die, die Ihre Kriegstoten beklagen mußten, die, die ausgebeutet wurden, die, die geschändet wurden, die, die der AdelsApartheid ausgesetzt waren und sind usw.?..... Oder meinen Sie Ihre Familie? Und: Was ist Corrigenda für ein Verein, der hier dem sogenannten Adel eine Stimme gibt? Mit der katholischen Kirche ( als transzendenter ) Entität hat das nixxx zum tun. Aber viel mit dem Sozialgedöns, daß sich als Kirche bestimmt. mfg
Es wird auf der Welt immer Herrschende und Beherrschte geben. Irgendwem werden Sie immer einen Gehorsam schulden müssen. Der Gehorsam ist eine wichtige christliche Tugend. Jeder hat seine Rolle in der menschlichen Gesellschaft, die einem von der Göttlichen Vorsehung zugedacht ist. Bitte keinen falschen Neid. Das Wort Adel hat eine durchaus positive Konnotation, denn Adel verpflichtet. Der Adel steht in der Regel für Anstand und gute Manieren, die Sie in Ihrem Kommentar vermissen lassen.
Pater Peyton, der amerikanische Rosenkranzprediger, sagte immer wieder: "Eine Familie, die zusammen betet, hält auch zusammen." Das ist das Geheimnis einer jeden guten kinderreichen Ehe. Apropos Heiratspolitik: Die Liaison von Marie-Antoinette von Österreich-Lothringen mit Ludwig XVI. von Frankreich endete weniger glücklich, nämlich auf der Guillotine.
Andreas Graf, danke. Wenn Sie mein Buch lesen, werden Sie eine ERSTAUNLICHE Geschichte über den Tod von Marie-Antoinettendarin finden
Alles sehr wahr, wie ich als Vater einer großen Kinderschar weiß. Als privilegierter Vater allerdings, der mit einem hohen Einkommen seiner Familie ein gesichertes Leben ermöglicht, mit einer Ehefrau und Mutter, die sich der Familienarbeit widmen und ein offenes Haus führen kann. Und zum Glück kann ich viele meiner Arbeiten zu Hause erledigen und bin deshalb nicht ganz aus der Welt. Nur: Andere kinderreiche Familien werden von der gängigen Familienpolitik verhindert oder zerstört, gerade auch von Regierungen, an denen die Parteien mit dem C im Namen beteiligt sind. Und niemand möge glauben, alternative Parteien würden auch nur einen Deut besser machen. Trübe Aussichten für unser Land.
Sehe ich alles ebenso. Mein Mann und ich sind seit über 30 Jahren glücklich verheiratet und haben unseren Kindern den Wert von Familie vorgelebt. Und ich scherze übrigens auch, dass ich kein Problem hätte, eine Ehe für meine Söhne zu arrangieren. Einer ist schon verheiratet, ich hätte aber noch einen zweiten Sohn im Angebot, promovierter Physiker und Unternehmer. Nur für den Fall, dass im Hause Habsburg - Lothringen noch Bedarf besteht;-).
Ein über weite Strecken ganz wunderbarer Text! Herzlichen Dank!!!
Im zweiten Teil hätte es mir aber - noch - besser gefallen, wenn der Fokus auf dem gemeinsamen Gebet (m.E. das "Zaubermittel" für die gelungene Ehe meiner Eltern) als auf der Heiratspolitik gelegen hätte: Naja, Liebe und Politik, ich zumindest konnte bislang beide Sphären noch nicht als Geschwisterpaar ausmachen (auch wenn Heiratspolitik sicher "liebevoller" als Kriegspolitik ist) ... ;-)
Zur Kritik, "die Ehe als etwas zu definieren, das nicht mehr nur zwischen Mann und Frau" ist, kann ich nur meine Beobachtung schildern, wie ein Bekannter seinen krebskranken (eingetragenen) Partner in vorbildlicher Aufopferung bis zum Tod pflegte, während ich im Gegentug leider auch vordergründig "christliche" Ehen kenne, bei denen sich der gesunde Eheteil neben dem kranken Eheteil eine erschreckend offene Affäre erlaubte. ;-( Auch wenn ich definitiv kein LGBTQ-Aktivist bin, sage ich mit Papst Franziskus: "Wer bin ich, dass ich [über den treusorgenden gleichgeschlechtlichen Partner] urteile!?"
@Dr. Gerald Seidel
Es gibt Leute, die engagieren sich sehr in zwischenmenschlichen Beziehungen. Sie kümmern sich aufopferungsvoll um andere, machen, tun alles für den anderen Menschen. Sei schwächeln aber auffällig in ihrer Beziehung zu Gott, erfüllen hier ihre Aufgaben so gut wie gar nicht. Dann gibt es andere, die erfüllen sehr gern ihren göttlichen Auftrag, sind ganz Gott ergeben, schwächeln aber sehr in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen, in der Familie und im Beruf. Das bringt giftige Machtkämpfe hervor, wer jetzt der „Bessere“ ist. In Wahrheit sind beide halbherzig dabei, den Gottes Gebot lautet, Gott zu lieben mit ganzem Herzen, ganzer Kraft und ganzem Vermögen und den Nächsten wie dich selbst. Siehe Mk 12, 28 – 34.