Das Leiden der jungen Männer

Das Verhältnis zwischen Männern und Frauen hat sich im Vergleich zu den unbeschwerten 1990er und 2000er Jahren stark verändert. Die Gründe dafür sind vielfältig und die Lösungen unzureichend. Immer mehr Frauen und Männer werden in absehbarer Zukunft Single bleiben, und diese Dynamik zwischen den Geschlechtern wird weitreichende Folgen haben.
Junge Männer sind heute besonders betroffen, und die Zukunftsperspektiven stimmen nicht gerade optimistisch. Doch es gibt Möglichkeiten, den düsteren Prognosen entgegenzuwirken. Nicht nur als Einzelne, sondern vor allem als Gruppen und Gemeinschaften.
Männlichkeit als solche steht heute mehr denn je unter Beschuss. Die „Krise der Männlichkeit“, die gerade in Deutschland von vielen Forschern als ein konservatives Märchen abgestempelt wird, wird zunehmend von der Realität eingeholt. Die Frauen haben in nahezu allen Bereichen die Männer eingeholt, wenn nicht gar übertroffen.
Die gestiegenen Ansprüche der Frauen
Männer wurden dadurch vorsichtig, angepasst und einfühlsam, was sie aber nicht attraktiver oder von Frauen mehr anerkannter macht. Im Gegenteil: In einer Welt, in der Frauen sexuell „befreit“ wurden und für ihren Unterhalt selbst sorgen können, in der jegliche gesellschaftliche Zwänge wegfallen, entscheiden die Frauen wiederum im Sinne der Natur und wählen Männer, die ihnen überlegen sind.
Das Phänomen der Hypergamie – den sozialen, wirtschaftlichen und emotionalen Status durch die Wahl eines entsprechenden Partners zu verbessern – mag von vielen (insbesondere Frauen) geleugnet werden, wird aber auch heute immer wieder von der Realität bestätigt. Die typische westliche liberale Frau will am liebsten ungebunden bleiben und die von ihr selbst erkämpften Freiheiten genießen.
Doch auch sie erkennt an einem bestimmten Punkt, dass sie gern den einen richtigen Mann an ihrer Seite hätte, mit dem sie eine Familie gründen könnte. Ihre Ansprüche werden aber stets höher, weshalb es am Ende oft nicht mehr gelingt. Die Online-Partnervermittlung „eDarling“ hat festgestellt, dass die Ansprüche an eine Beziehung bei Frauen zwischen dreißig und fünfzig Jahren am höchsten sind. Ab fünfzig nehmen die Erwartungen der Frauen ab – es bleibt ihnen anderes auch nicht übrig.

Aber auch viele Männer wollen ungebunden leben. Laut Umfragen will ein Viertel der jungen deutschen Männer keine Kinder, und 20 Prozent der Männer bleiben auch tatsächlich kinderlos. Zu den üblichen Gründen gehören persönliche Freiheit und die Aufrechterhaltung des Lebensstandards.
Allerdings steigt die Zahl der Männer, die unfreiwillig alleinstehend (Stichwort „Incels“) sind und sich schwertun, eine Partnerin zu finden. Heute werden mehr Pornos als je zuvor konsumiert und weniger sexuelle Erfahrungen als je zuvor gemacht. Wir können nun darüber spekulieren, was die Ursache und was die Wirkung ist. Eines ist sicher: Männer sind heute einsamer.
Frauen anzusprechen, ist heute schwieriger
In den vergangenen fünfzehn Jahren wuchs in Amerika der Anteil der Männer unter 30, die noch nie eine sexuelle Partnerin hatten, von 18 auf 31 Prozent an und man spricht sogar von der einsamsten Generation heterosexueller Männer seit langem. Dafür gibt es zahlreiche Gründe. Der Aufschwung von Tinder, Bumble und anderen Dating-Apps hat die Art und Weise, wie Menschen sich treffen und kennenlernen, dramatisch verändert.
Apps können zwar die Möglichkeiten erweitern, aber sie schaffen auch ein Überangebot an Auswahl, das es schwer machen kann, sich auf eine Person festzulegen. Das unausgewogene Geschlechterverhältnis (Studien zeigen, dass Männer bei den meisten Dating-Apps deutlich in der Überzahl sind) bedeutet mehr Wettbewerb für Männer.
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Auch soziale Medien wie Instagram und TikTok haben ein verzerrtes Idealbild von Beziehungen und unrealistische Maßstäbe geschaffen. Männer fühlen sich unter Druck gesetzt, einen bestimmten Lebensstil bieten und präsentieren zu müssen.
Auch ist es heute schwerer geworden, Frauen in der Öffentlichkeit anzusprechen. Vor Jahren war es normal und selbstverständlich, Frauen in einer Bar, einem Café oder einer Bibliothek anzusprechen. Doch heute gilt das oft bereits als unpassend oder gar als Belästigung, so dass Männer sich es gar nicht trauen, Frauen auf dem traditionellen Weg anzureden.
Kirchlich oder gesellschaftlich eingebundene Männer haben Vorteile
Nicht zuletzt fehlen zunehmend die sozialen Kreise und Milieus, um auf natürliche Weise Freundschaften und romantische Beziehungen entwickeln können. Starke Gemeinschaften und vertraute soziale Kreise führten selbstverständlich zu Gelegenheiten auf ein Treffen zwischen gleichgesinnten jungen Frauen und Männern. Heute ist die Partnersuche oft von allen anderen Lebensbereichen isoliert und somit erschwert. Nicht nur das: Den Menschen kommen dadurch auch die sozialen und kommunikativen Fähigkeiten abhanden.
Ganz konkret kann man sich einen jungen Mann vorstellen, dessen Familie kirchlich oder gesellschaftlich engagiert ist und auch sonst einen großen Bekannten- und Freundeskreis hat. Mit den Kindern von diesen trifft er sich bei verschiedenen Anlässen, Sommercamps und sportlichen Aktivitäten. Vielleicht besucht er eine Schule, die Kinder aus ähnlichen Familien besuchen.
Sicherlich ist es für diesen jungen Mann dann leichter, eine echte Liebe zu finden, als für einen jungen Mann, dessen Familie bereits isoliert lebt, der die meiste Zeit in seinem Zimmer mit dem Computer verbringt und kaum in Gemeinschaften oder soziale Strukturen eingebunden ist.
Sich anzustrengen, reicht nicht
Einsamen jungen Männern werden deshalb viele Ratschläge gegeben, unter anderen von TikTok Stars wie Andrew Tate. Junge Männer sollen sich stark machen und die (vermeintliche) Opfermentalität hinter sich lassen. Selbst so banale Ratschläge, wie täglich sein Bett zu machen und Zimmer aufzuräumen, machten den Psychologen Jordan Peterson zum Bestsellerautor. Denn bereits bei kleinen Veränderungen der Gewohnheiten, kann der Mensch zu einer anderen Denkweise und Lebensführung gelingen.
Doch es wäre naiv zu glauben, dass sich die Männer nur mehr anstrengen sollten und schon bekämen sie eine Freundin, heirateten und gründeten mit ihr eine Familie. Wenn es so einfach wäre, gäbe es keine „Incels“. Es gibt sie, weil die se Anstrengungen nur die eine Hälfte der Lösungen sind.
Auch in meinem Umfeld treffe ich immer wieder Menschen, deren Erfahrungen die aktuellen Trends bestätigen. So erzählte mir kürzlich ein Taxifahrer in meinem Alter seine Geschichte mit Beziehungen. Mit Tränen in den Augen gab er zu, dass seine Freundin plötzlich in ein anderes Land gezogen sei, nachdem er gerade ein Haus eingerichtet und ein Taxi-Unternehmen aufgebaut habe, damit das Paar eine abgesicherte Zukunft habe. Doch nun scheint die Beziehung endgültig vorbei zu sein.
Diese Veränderungen betreffen auch und vor allem Männer
Kürzlich lernte er eine hübsche, nette, junge Mutter kennen, doch er erkannte, dass er mit ihren Ansprüchen nicht mithalten kann. Sie war es in ihrer vorigen Affäre mit einem reichen Mann gewohnt, ständig nach Dubai zu fliegen und neue Handtaschen geschenkt zu bekommen. Das wäre ihr wichtiger als eine stabile Beziehung, wo sie Liebe und eine stabile Zukunftsperspektive bekäme, habe sie ihm erklärt. Dies ist keine einmalige oder milieuspezifische Geschichte, sondern die Realität in der heutigen Welt.
Die über Jahrhunderte gepflegten Beziehungsstrukturen zerfallen und anstelle von Kultur und Religion tritt die Natur mit voller Wucht. Ehe und Monogamie verlieren ihr Ansehen und ihr Alleinstellungsmerkmal. Laut einer Studie von Morgan Stanley werden im Jahr 2030 ungefähr 45 Prozent der Frauen zwischen 25 und 44 Jahren alleinstehend sein (weshalb auch die Geburtenrate weiter sinken wird).
Für diese Vorhersage gibt es mehrere Gründe, aber eins wird klar: Diese Veränderungen haben zahlreiche Folgen auch und vor allem für die Männer. Denn sie bedeuten weniger Monogamie, dafür mehr Wettbewerb und auch mehr Männer, die leer ausgehen. Eine Abkehr von Ehe und Monogamie bedeutet eine Rückkehr zum Naturzustand.
Die Rückkehr zum brutalen Naturzustand
Im Naturzustand, also in vorzivilisatorischen Zeiten, haben sich aber ungefähr 70 Prozent der Frauen mit nur 35 Prozent der Männer gepaart. Zurzeit sprechen alle Studien und Zahlen dafür, dass wir uns diesem Naturzustand immer mehr nähern. Das sind für manche Feministinnen gute Nachrichten, schlechte jedoch für alle, die in diesem harten Wettkampf der Geschlechter nicht die stärksten sind.
Denn die Monogamie (im Idealfall die Ehe) schützt gerade sie: die Schwächeren, Verletzlichen, die weniger Attraktiven. Und gerade die monogame Zweierbeziehung ist ein Ergebnis einer kulturellen Entwicklung, die den Menschen emporhebt aus den Niederungen des Naturzustandes.
Daher ist es notwendig, die menschlichen und gesellschaftlichen Voraussetzungen im Blick zu behalten. Es mag uns vielleicht nicht optimistisch stimmen, aber als Einzelne können wir diese verheerenden Trends nicht von uns abwenden. Es ist notwendig, neue Strukturen, Gemeinschaften und Milieus aufzubauen. Am besten sogar um eine Kirche herum, die den Menschen auch spirituell Kraft geben kann.
Wie oben beschrieben: Ein junger Mann, der natürlich in familiäre, soziale und kulturelle Strukturen eingebunden heranwächst, wird es viel leichter haben in einer Welt, wo echte Liebe aus der Mode gekommen ist.
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Kommentare
Ist dem wirklich so? Seit Corona wissen wir, dass "Studien" meist gelogen sind und Trends anzeigen, die so gar nicht gegeben sind. Christen sollten sich nicht jeden Bären aufbinden lassen. Jeder hat das Heft selbst in der Hand.
Einen Aspekt im Geschlechterverhältnis, den die Autorin nicht erwähnt, der aber nicht unerheblich ist, möchte ich gerne ergänzen. Dümmliche Frauen wirken auf nicht wenige Männer anziehend und attraktiv. Aber zu dumm darf sie auch nicht sein, denn das würde die Reputation des Mannes senken. Eventuell hat der Mann mit dem Taxi mit den weggelaufenen Frauen zunächst noch Glück gehabt?
@Dinah: Sie meinen: "Dümmliche Frauen wirken auf nicht wenige Männer anziehend und attraktiv." Wie kommen Sie zu dieser bemerkenswerten "Erkenntnis"?
Ich finde, es gibt (von herzlosen Menschen abgesehen) nichts Unattraktiveres als dümmliche Menschen (jedweden Geschlechts)! Und mir scheint, Ihr Satz sagt leider mehr über Sie selbst als über Männer aus ...
Liebes Corrigenda-Team,
habt Ihr eigentlich schon mal über den Satz
"Im Naturzustand, also in vorzivilisatorischen Zeiten, haben sich aber ungefähr 70 Prozent der Frauen mit nur 35 Prozent der Männer gepaart",
der sich im o.g. Artikel befindet, gründlich nachgedacht? Dieser Satz bedeutet nichts weniger als dass die christliche Ehe unnatürlich und eine böswillige Verschwörung des Patriarchats und/oder der Katholischen Kirche sei. Ist das wirklich Euer christliches Menschenbild? Ist das wirklich Euer "Prinzip" von "Ehe und Familie als Keimzelle einer freiheitlichen, demokratischen und gerechten Gesellschaft"?
Und habt Ihr diesen Satz schon einmal bei Google eingegeben? Nein, sonst hättet Ihr gemerkt, dass er offensichtlich - ohne Quellenangabe - aus linken Medien abgekupfert ist! Wenn das konservativer Qualitätsjournalismus sein soll, na dann gute Nacht! ;-(
"Dieser Satz bedeutet nichts weniger als dass die christliche Ehe unnatürlich und eine böswillige Verschwörung des Patriarchats und/oder der Katholischen Kirche sei." - die christliche Ehe ist auch nicht eine Folge nur der Natur, sondern auch der Gnade, denn sie hebt den Menschen aus dem Naturzustand. Nach der katholischen Lehre ist die Natur durch die Erbsünde verwundet und bedarf also der Gnade. Dass sie eine böswillige Verschwörung des Patriarchats und der Kirche sei, ist eine linke Interpretation.
In vorzivilisatorischen Zeiten suchten sich Frauen die Männer zur Fortpflanzung aus - das ist nicht nur eine linke Studie, sondern eine allgemeine Kenntnis in der Evolutionsbiologie und Genetik. Charles Darwin nannte sie die „sexuelle Selektion“.
Wenn Sie den Artikel aufmerksam lesen, werden Sie bemerken, dass hier gerade die Ehe als Lösung und Basis einer funktionierenden Gesellschaft dargestellt wird. Sie führt wieder zur Ordnung. Das gelingt aber nicht von alleine, sondern erst, wenn man die Realität zur Kenntnis nimmt.
Ab fünfzig nehmen die Erwartungen der Frauen ab – *es bleibt ihnen anderes auch nicht übrig* - Warum so eng? - Glauben Sie nicht, dass Attraktivität auch mit anderen Dingen als Jugendlichkeit, körperlicher Fruchtbarkeit und Fitness zusammenhängen könnte? "Weisheit", Lebenserfahrung, Zuversicht, geistige Fruchtbarkeit und reife Schönheit - wie wäre es mit solchen Kategorien? - Und dann dürfen die Ansprüche ab 50 ruhig nochmal steigen!
Laetitia M. Hier fühlt sich - offenkundig- eine Frau in den 50ern von diesem Zitat getriggiert. Weisheit, Lebenserfahrung Zuversicht, geistige Fruchtbarkeit und reife Schönheit sind sicherlich wertvolle Güter - sorgen aber nicht dafür, dass ein gesundes Kind auf die Welt kommt.
Dieser Artikel von einer Frau? Nicht schlecht, war am Ende erstaunt!
Der Mensch ist ein 'Trainingswunder' und mit dem bewussten, rituellem `Training` unterscheidet er sich vom Tier.
Damit halte ich nach Erich Fromm "die Liebe weder für ein passiver Affekt noch – wie für Freud – eine gelungene Sublimation sexueller Triebe, sondern eine Fertigkeit, die sich wie ein Handwerk erlernen lässt." Fromm macht unmissverständlich klar: Wahre Liebe ist die mehr ein Geben als ein Nehmen;
wer wirklich lieben lernen möchte, so lautet die zeitlose Botschaft, muss sich vor allem in Achtsamkeit, Demut und Geduld üben.